Interdisziplinäres Vorgehen planen
12. Mär 2026,
Interdisziplinär promovieren: Tipps für die Planung deines Forschungsprojekts. Wie du Betreuung, Methoden und Forschungskulturen über Fachgrenzen hinweg vereinst.
Interdisziplinäre Forschung bedeutet mehr, als verschiedene Fachrichtungen nebeneinander zu stellen. Sie entsteht dort, wo die Grenzen zwischen Disziplinen verschwimmen und neue Erkenntnisse durch die Verbindung unterschiedlicher Perspektiven entstehen.
Die folgenden Tipps zeigen dir, worauf du bei der Planung deines interdisziplinären Promotionsprojekts achten solltest.

Die besondere Herausforderung interdisziplinärer Forschung
Wenn du interdisziplinär forschen möchtest, bewegst du dich oft auf unbekanntem Terrain. Du verbindest Methoden, Theorien und Denkweisen verschiedener Fachrichtungen, was besondere Herausforderungen mit sich bringt.
Du wirst dich in unterschiedliche Fachsprachen einarbeiten, verschiedene methodische Ansätze verstehen und manchmal auch zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Kulturen vermitteln müssen.
Deine Forschungsfrage interdisziplinär entwickeln
Eine gute interdisziplinäre Forschungsfrage entsteht in der Regel an den Schnittstellen zwischen einzelnen Disziplinen.
Zum Beispiel:
- Wenn du die Akzeptanz neuer Technologien untersuchst, benötigst du sowohl ingenieurwissenschaftliches Verständnis als auch sozialwissenschaftliche Methoden.
- Wenn du erforschen willst, wie literarische Texte algorithmisch analysiert werden können, verbindest du geisteswissenschaftliche Expertise mit informatischen Methoden.
- Wenn du Geschäftsmodelle für nachhaltige Technologien entwickelst, bringst du wirtschaftswissenschaftliche und naturwissenschaftliche Perspektiven zusammen.
Welche Frage wirst du voraussichtlich interdisziplinär stellen und beantworten wollen?
Die richtige Uni und passende Betreuungskonstellation finden
Die Universität deiner Wahl sollte entweder fachbereichsübergreifend oder sogar fachbereichs- bzw. fakultätsübergreifend lehren und forschen.
Sobald du dich nämlich auf ein Fachgebiet festlegst, können dort meist nur Forschungsziele erarbeitet werden, die mit den Methoden genau dieses Fachgebiets realisierbar sind. Das ist typisch für Universitäten und deren Promotionsmöglichkeiten in Deutschland.
Für dein interdisziplinäres Promotionsprojekt brauchst du mindestens zwei, möglicherweise auch mehrere Betreuer aus unterschiedlichen Fachrichtungen. Achte darauf, dass sie Erfahrung mit interdisziplinärer Forschung haben und für fachübergreifende Ansätze offen sind.
Kläre frühzeitig,
- wie die Zusammenarbeit zwischen den Betreuern gestaltet wird,
- welche Promotionsordnung als zuständig gilt und
- wie mit unterschiedlichen Publikationskulturen umgegangen wird.
Oft entstehen die spannendsten Erkenntnisse genau dort, wo verschiedene Fachgebiete zu einer gemeinsamen Lösung beitragen.
Methodische Herausforderungen meistern
In der interdisziplinären Forschung ist es oft notwendig, verschiedene methodische Ansätze sinnvoll zu kombinieren.
Dabei ist es wichtig, dass du
- die epistemologischen Grundannahmen der verschiedenen Methoden verstehst,
- mögliche Widersprüche zwischen den Ansätzen erkennst und reflektierst und
- eine kohärente Methodologie entwickelst, die mehr ist als die Summe ihrer Teile.
Welche Methoden du genau benötigen wirst, lässt sich erst nach Eingrenzung der Problemstellung, Zielsetzung und Forschungsfrage klären. Wichtig ist, dass du mit den Methoden deines ursprünglichen Fachgebiets vertraut bist, denn dort liegen in der Regel deine Start- und Zielpunkte.
Die weiteren Methoden kannst du dann gemeinsam mit den Experten der anderen beteiligten Fachbereiche auswählen.
Zeit- und Ressourcenplanung für interdisziplinäre Projekte
Für ein interdisziplinäres Promotionsprojekt solltest du mehr Zeit und Ressourcen einplanen als für eine monodisziplinäre Arbeit.
Du brauchst zusätzliche Zeit für:
- die Einarbeitung in verschiedene Fachgebiete und ihre Fachsprachen,
- die Entwicklung einer integrativen methodischen Herangehensweise,
- die Kommunikation zwischen verschiedenen Betreuern und Fachkulturen sowie das Schreiben der Dissertation, die für unterschiedliche Zielgruppen verständlich sein muss: deine Betreuer, die Promotionskommission und die Opponenten bei der Verteidigung deiner Arbeit.
Denke dabei auch an die Ressourcen, die du benötigen wirst:
- Wer kann dich bei deinem Projekt unterstützen?
- Welche Ausstattung brauchst du?
- Entstehen Kosten für Reisen oder Equipment?
- Und vor allem: Wie viel Zeit kannst du selbst investieren?
Erfahrungsgemäß ist es sinnvoll, ja sogar notwendig, sich auch über die zugewiesenen Betreuer hinaus fachliche Expertise zu suchen. Denn die Aufgabe der Betreuer bei Promotionsverfahren besteht nicht darin, dir Methoden und Inhalte beizubringen, sondern lediglich darin, darauf zu achten, dass du sie sachgemäß und zielgerecht in deine Untersuchung einbringst!
Integration verschiedener Forschungskulturen
Jede Disziplin hat ihre eigene Forschungskultur. In den Geisteswissenschaften ist es beispielsweise üblich, eigenständig an einer Monografie zu arbeiten, während in den Naturwissenschaften die kumulative Promotion in einem Forschungsteam als Standard gilt. In den Wirtschaftswissenschaften liegt der Fokus häufig auf Artikeln in begutachteten Fachzeitschriften.
Als interdisziplinär Forschender musst du einen Weg finden, diese verschiedenen Kulturen zu vereinen!
Das betrifft:
- die Form der Dissertation (Monografie vs. kumulative Promotion),
- die Art der Veröffentlichungen,
- die Arbeitsweise (Einzelarbeit vs. Teamarbeit) und
- die Kriterien für wissenschaftliche Qualität.
Da du in einem Fachgebiet startest, werden die dort herrschenden Erwartungen und Vorgaben voraussichtlich für die gesamte Forschungsarbeit gelten. Es gibt inzwischen aber auch erste Institute, die explizit auf interdisziplinäres Forschen ausgerichtet sind und dafür sogar ausgestattet sind. Diese Institute machen dann möglicherweise genau dafür ausgestaltete Vorgaben.
Recherchiere daher parallel zur ersten Entwicklung deines Forschungsvorhabens nach Universitäten oder universitären Einrichtungen, bei denen dein interdisziplinärer Weg begrüßt und gefördert wird!
Vernetzung und wissenschaftliche Kommunikation
Suche dir deshalb frühzeitig ein Netzwerk von Menschen, die ebenfalls interdisziplinär arbeiten. Das können zum Beispiel sein:
- andere Promovierende in interdisziplinären Graduiertenkollegs,
- Forschende in interdisziplinären Forschungszentren,
- Teilnehmende an fachübergreifenden Konferenzen.
Lerne dabei, wie du deine Forschung für verschiedene Zielgruppen verständlich kommunizieren kannst.
Du wirst dein Projekt sowohl Fachleuten aus verschiedenen Disziplinen als auch einem breiteren Publikum erklären müssen – und das von Beginn an, nicht erst nach Fertigstellung!
Chancen der interdisziplinären Forschung
Angesichts der erhöhten Aufwände eines interdisziplinären Vorhabens ist es enorm wichtig, sich immer wieder vor Augen zu halten, welchen Mehrwert es für einen selbst haben wird.
Trotz aller Herausforderungen bietet die interdisziplinäre Forschung nämlich einzigartige Chancen:
- Du kannst neue Perspektiven zu bereits bekannten Problemen entwickeln.
- Du lernst verschiedene wissenschaftliche Kulturen kennen und verstehen.
- Du entwickelst eine besondere Form der wissenschaftlichen Kreativität.
- Du qualifizierst dich für Tätigkeiten, die Brückenbauer zwischen verschiedenen Fachgebieten erfordern.
Interdisziplinäre Promotionsprojekte sind anspruchsvoll, aber lohnend. Sie erfordern mehr Zeit, Flexibilität und Kommunikationsfähigkeit als rein disziplinäre Projekte. Dafür eröffnen sie die Chance, wirklich Neues zu schaffen und Grenzen zwischen Disziplinen zu überwinden. Und:
Du selbst lernst dabei noch einmal deutlich mehr als bei einem monodisziplinären Forschungsprojekt.
Nimm dir für die Planungsphase ausreichend Zeit und stelle sicher, dass du die nötige institutionelle Unterstützung hast. Mit einem gut durchdachten Plan und der richtigen Betreuungskonstellation kann dein interdisziplinäres Promotionsprojekt zu einer bereichernden wissenschaftlichen Reise werden.
Eigener Akzent im Privatissimum
In meinem Begleitungsangebot hat der Aspekt der Interdisziplinarität einen besonderen Platz, da ich selbst bereits zweimal interdisziplinär promovieren konnte. Schon beim ersten Mal wusste ich, dass das, was ich untersuchen wollte, rein disziplinär gar nicht möglich gewesen wäre.
Mögliche Betreuer in Deutschland wiesen mich damals ab, denn diese Art der Promotion war in den 1980er/90er Jahren dort noch nicht bekannt. Im Buch „Smarter promovieren“ gibt es dazu entsprechenden Input, der auf eigenen Erfahrungen basiert.
Ich wünsche dir viel Erfolg beim Start in dein interdisziplinäres Forschungsabenteuer!
🙋♂️ Fragen dazu?
- Was zeichnet eine interdisziplinäre Forschungsfrage aus?
- Eine interdisziplinäre Forschungsfrage entsteht dort, wo die Grenzen einzelner Disziplinen erreicht sind. Sie verbindet die Methoden, Theorien und Denkweisen verschiedener Fachrichtungen miteinander, um Probleme zu lösen, die mit einem rein disziplinären Ansatz nicht ausreichend erfassbar wären.
- Worauf sollte man bei der Wahl der Universität für ein interdisziplinäres Promotionsprojekt achten?
- Idealerweise sollte an der Universität fachbereichsübergreifend oder sogar ohne starre Fakultätsgrenzen gelehrt und geforscht werden. An traditionellen Universitäten mit strengen Fachbereichsstrukturen besteht die Gefahr, dass Forschungsziele nur mit den Methoden eines einzelnen Fachs realisierbar sind.
- Wie sollte die Betreuung bei einer interdisziplinären Promotion gestaltet sein?
- Benötigt werden mindestens zwei, idealerweise mehrere Betreuer aus unterschiedlichen Fachrichtungen. Sie sollten über Erfahrung mit interdisziplinärer Forschung verfügen. Zudem ist eine frühzeitige Klärung der Zusammenarbeit zwischen den Betreuern, der zuständigen Promotionsordnung sowie des Umgangs mit unterschiedlichen Publikationskulturen wichtig.
- Welche methodischen Aspekte sind bei interdisziplinärer Forschung wichtig?
- Es gilt, verschiedene Ansätze sinnvoll zu kombinieren, indem man die epistemologischen Grundannahmen versteht und mögliche Widersprüche reflektiert. Das Ziel besteht in der Entwicklung einer kohärenten Methodologie, die mehr ist als die Summe ihrer Einzelmethoden.
- Warum erfordert eine interdisziplinäre Promotion mehr Zeit und Ressourcen?
- Der Mehraufwand ergibt sich aus der Einarbeitung in mehrere Fachsprachen, der Abstimmung zwischen verschiedenen Betreuern und Forschungskulturen sowie der Herausforderung, die Dissertation für unterschiedliche Fachzielgruppen verständlich zu formulieren.
- Wie lassen sich unterschiedliche Forschungskulturen in einer interdisziplinären Arbeit vereinen?
- Da in der Regel die Vorgaben des primären Fachgebiets dominieren, muss ein Weg gefunden werden, um verschiedene Arbeitsweisen (z. B. Monographie vs. kumulative Promotion oder Einzel- vs. Teamarbeit) zu integrieren. Es ist ratsam, sich frühzeitig über Institute zu informieren, die explizit interdisziplinäres Forschen fördern und passende Rahmenbedingungen bieten.
- Welche Vorteile bietet die interdisziplinäre Forschung für Promovierende im Privatissimum?
- Trotz des höheren Aufwands bietet sie die Chance, neue Perspektiven auf bekannte Probleme zu entwickeln, verschiedene Wissenschaftskulturen zu verstehen, eine besondere wissenschaftliche Kreativität zu entfalten und sich als „Brückenbauer“ zwischen Fachgebieten für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Da im Privatissimum der Fokus auf berufsbegleitendes Forschen liegt, ist Interdisziplinarität quasi Programmbestandteil.
Wenn dich eine Frage nicht loslässt und du ihr wirklich auf den Grund gehen möchtest, dann bin ich der richtige Gesprächspartner für dich.
Als akademischer Privatlehrer zeige ich dir, wie du wissenschaftliche Arbeitsmethoden für deine eigene Forschungsfrage nutzen kannst – von der ersten Idee bis zur fertigen Forschungsarbeit oder Dissertation.
